3xo.ch - echo: Russische Seele...
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luf. Der Journalist der Neuen Luzerner Zeitung sitzt vis-à-vis. Wir befinden uns in einem Cafe in Luzern. Ihm gegenüber haben Svetlana, Ilya und Yulia Platz genommen. Wir haben zuvor interessierte Medien aus der Zentralschweiz zu einem Porträt- und Interviewtermin eingeladen. Die Resonanz war gut: Einige Medien zeigten Interesse an der Frage, wie junge Russinnen und Russen die Schweiz erleben.
Der Journalist der Jugendbeilage der Neuen Luzerner Zeitung sass uns also gegenüber, nicht älter als die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Austauschprogramms selbst. Mit seinem Notizblock und den vorbereiteten Fragen sah er Svetlana, Illya und Yulia mit ernstem Blick an. Diese waren total aufgeregt, nachdem sie gerade eine halbe Stunde der Fotografin für Porträtaufnahmen zur Verfügung standen. Obwohl Sie eigentlich nichts mehr hätte nervös machen sollen, denn sie waren ein paar Tage zuvor zu einem Live-Interview im Radio angetreten. Die Fragen, die dort gestellt wurden, waren ziemlich platt und orientierten sich an alten Klischees. Also hatte besonders die Geschäftsstelle Angst, dass das Gespräch, das vor uns lag, wieder in solche Klischees abrutschen könnte.
Nach fast zwei Stunden intensiven Diskussionen waren wir aber sehr erleichtert. Der junge Journalist verstand sein Handwerk. Er liess sich nicht von Klischees leiten, zeigte Offenheit und ein aufrichtiges Interesse für die russischen Jugendlichen. Er stellte aber auch kritische Fragen und legte seinen Finger auch auf wunde Punkte. Das förderte eine lebhafte Diskussion über die Rezeption Russlands im Westen und die Rezeption des Westens in Russland. Aus dieser Diskussion heraus entstanden interessante Statements, die den Horizont öffneten und das Verständnis fördern helfen. Der talentierte Journalist vermochte es, die interessanten und relevanten Statements mit einer journalistischen Unvoreingenommenheit und kritischer Distanz zu einem Artikel zusammenzufassen. Eine Praxis, die in den grossen Schweizer Medienhäusern leider immer weniger gepflegt wird.
Der Ruf nach mehr Objektivität in den Berichterstattungen aus Russland heisst selbstverständlich nicht, dass kritische Themen nicht angesprochen werden sollten. Im Gegenteil. Aber die Bereitschaft auch immer wieder den eigenen Blickwinkel zu hinterfragen sollte eine Grundlage für die journalistische Berichterstattung sein. Der junge Journalist öffnete sich und versuchte die Argumente der jungen Russinnen und Russen zu verstehen. Was aber das Wesen der russischen Seele sei, das gelang nicht. Aber auch mir nicht. Für mich handelt es sich dabei mehr um eine Konstruktion. Aber das ist ein anderes Thema für eine andere Kolumne …

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