3xo.ch - echo: Klassenfahrt in den wilden Osten...
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Von Christine Bertschi

Eines von vielen Projekten der Optionswoche des Gymnasiums Interlaken war die Russland-Reise nach Ulan-Ude. Vierzehn Schülerinnen und Schüler entschieden sich letzten Sommer dafür, zehn Tage in Sibirien zu verbringen. Begleitet von ihren Lehrpersonen Annemarie Schweizer und André Nobs erkundeten sie nicht nur die Hauptstadt der Republik Burjatien, sondern auch den Baikalsee und ländlichere Gebiete.

Schon längst wieder zurück, bleiben Schülern wie Lehrern die Erinnerungen - festgehalten in Tagebüchern und mit dem Fotoapparat.
Doch was bringt eine Französisch- und Italienischlehrerin dazu, ihre Schüler ausgerechnet nach Ulan-Ude zu führen? «Ich war selber von August bis Oktober 2006 mit Schweiz-GUS in Ulan-Ude, wo ich an der Uni etwas Französisch unterrichtet habe», berichtet Schweizer. Nicht nur die Stadt, sondern auch ihre Bekannten dort liegen ihr am Herzen. Damals in der Ferne sei die Idee aufgekommen, mit Schülern nach Sibirien zu fahren.
«Vieles war auf der Reise nicht einfach und ich glaube, dass selbst eine gute Vorbereitung nicht alle Schwierigkeiten aus dem Weg schaffen kann», so Schweizer. Russland bietet immer wieder Überraschungen, und deshalb war die Gymnasiallehrerin froh, auf die Hilfe von Jugendaustausch Schweiz-GUS zählen zu können. Die Organisation von Visum, Flug, sowie Transfer und Aufenthalt in Moskau nahm ihnen die Geschäftsstelle von Schweiz-GUS ab, was laut Schweizer nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld gespart habe. Den Aufenthalt in Burjatien selbst hat Schweizer mit Hilfe ihrer russischen Bekannten geplant.
Vor der Abreise haben die beiden Lehrpersonen einen Informationsabend veranstaltet. «Ich hörte immer wieder von allen Seiten, wie toll es sei, im Verlaufe des gymnasialen Ausbildungsgangs etwas so Ungewöhnliches erleben zu können.», so Schweizer.
Doch die sibirische Realität habe auch einige Kulturschocks ausgelöst: «Einige meiner Schülerinnen und Schüler hatten zwar vor der Reise gesagt, sie könnten gut ohne Luxus leben. Als sie dann jedoch mit Plumpsklos und ungewohntem Essen konfrontiert wurden, fiel ihnen die Umgewöhnung ganz und gar nicht leicht», so Schweizer. Liest man die Tagebücher ihrer Schüler, überwiegen dennoch die schönen Erinnerungen.



    «Ich denke, dass der Aufenthalt in Sibirien ein Erlebnis war, dass niemand so schnell vergessen wird. Die Schüler werden nun vieles in der Schweiz anders sehen und Alltäglichkeiten, über die sie sich vorher nie Gedanken gemacht haben, schätzen.»
(Melissa Amacher und Manuela Stettler)


«Irkutsk, das  ‹Paris Sibirens›. Uns traf ein Kulturschock. Der Bus, welcher uns zum Flughafengebäude brachte, diente wahrscheinlich einmal vor 40 Jahren in Europa einer Busgesellschaft und das Förderband, welches unser Gepäck brachte, sah so aus, als ob man es von Hand ankurbeln musste. Wir hatten Zeit, uns die Stadt ein wenig anzuschauen. Obwohl es zwischendurch wackelige Holzhäuschen hatte, erschien uns das Zentrum einigermassen modern.» (Lea Schlunegger, 8.7.08)

«Zwanzig nach sechs am Morgen, die Wagen der Transsibirischen Eisenbahn kamen unter lautem Quietschen zum Stehen. Unsere verschlafenen Gesichter begrüsste ein alter Bahnhof, welcher unter dem grauen Himmel einen etwas verlorenen Eindruck machte. Die Herzlichkeit, mit welcher uns unsere Gastfamilien in ihren Wohnungen einquartierten und mit grossem Frühstück versorgten, war ein warmer Sonnenschein an diesem kühlen Morgen.» (Lea Schlunegger, 9.7.08)

«Wir gingen auf der Hauptstrasse und mit unseren wenigen Russischkenntnissen konnten wir die Wegweiser einigermassen entziffern. Wir folgten immer Tafeln, die in Richtung Zentrum zeigten. Plötzlich sahen wir das blaue Dach der Kirche, nun war es nicht mehr so schwierig sich zu orientieren. Nach einem fast einstündigen Parcours durch Ulan-Ude erreichten wir schliesslich den Treffpunkt und auch Frau Schweizer. Wir waren wahnsinnig stolz, dass wir uns in einer uns fremden Stadt so gut zurechtgefunden haben. »
(Sandra Eschler, 10.7.08)

«Der Abschied von unseren Gastfamilien fiel uns schwer. In den wenigen Tagen, in denen wir bei den Studenten und Studentinnen von Ulan-Ude gelebt hatten, hatten wir dank der herzlichen Gastfreundschaft sehr viel Gutes erlebt und so waren uns die freundlichen Gastgeber schnell ans Herz gewachsen.» (Andrea Rohrbach, 11.7.08)

«Nach dem Essen gingen wir frisch gestärkt ins Zimmer zurück und wir machten uns fertig für das Highlight des Tages, den Fussballmatch gegen die Mannschaft einer burjatischen Schule. Wir sind auf das Feld stolziert wie Profis. Nur glich das Feld dort einem Kartoffelacker. Wir sangen oder summten die Schweizer Nationalhymne und die Burjaten haben gespannt und fröhlich zugehört. Am Anfang war es ein ‹Rumgeschutt›, bis endlich wer das 1:0 schoss. Es war für allen Schweizer ein Schock. Nur ca. 20 Minuten später schossen dann die Burjaten, die ihren Heimvorteil kläglich ausnützten, das 2:0. (....) Nach unserem Sieg sind alle direkt in den kalten Fluss gesprungen.» (Luca von Allmen, 12.7.08)

«Zum ersten Mal auf dieser Reise konnten wir nun einmal einfach nur auf der faulen Haut liegen. Von den gelegentlichen Abkühlungen im wunderbaren Süsswassermeer einmal abgesehen, lagen wir die ganze Zeit am Strand und dösten oder träumten vor uns hin. Als die Abenddämmerung hereinbrach und wir allmählich vom Strand wieder zu den Jurten wanderten, war schon die ganze Crew braungebrannt wie nach einer ganzen Woche in Südfrankreich oder Spanien.»
(David Hemmi, 13.7.08)

«Und schon wieder mussten wir von einem schönen Ort in Russland Abschied nehmen. Mit Blitz und Donner war die Nacht erfüllt. Die grosse Jurte wurde sogar mit Wasser ‹geflutet›, das Dach mussten repariert werden. Von Mücken umschwärmt schlief man dann ein. Der letzte Morgen am Baikalsee war wie jeder andere auch: Viele, viele Mücken begrüssten uns. Doch es wurde erneut ein wunderschöner Tag. Ein letztes Mal badeten wir im kühlenden Baikal, bevor wir ans Packen denken mussten.» (Lars Gnägi, 16.7.08)

«Diese Woche in Russland war ein absolut einzigartiges Erlebnis, welches wohl keiner von uns je vergessen wird. Die gesamte Organisation war einfach super, von den Lehrern, als auch von den Leuten vor Ort. Es war grossartig zu erfahren, wie hilfsbereit und gastfreundlich die Menschen in Russland sind. Es war eine Reise, die wir wohl sonst nie in dieser Art hätten erleben können.»
(Melissa Amacher und Manuela Stettler)


Angefangen hat die Stiftung Jugendaustausch Schweiz-GUS vor 20 Jahren mit Gruppenaustauschen. Auch wenn heute die Individualangebote überwiegen, besteht die Möglichkeit der Gruppenreisen nach wie vor. Beliebt ist sie beispielsweise für Projektwochen in Gymnasien oder Klassenaustausche für Russischlernende.

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