«Was, Russisch?!»
Das ist meist die Reaktion, wenn ich erkläre, dass ich Russisch lerne. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, aber ganz spurlos ist es nicht an mir vorbeigegangen …
Ich stecke mitten im Maturjahr und bin gerade dabei, meine Maturarbeit zu schreiben. Das Thema: Selbst- und Fremdbilder von Russland.
Seit ich am Gymnasium bin, beschäftige ich mich mit Russland und Russisch. Ich habe mit anderen Russischschülerinnen und -schülern Russland bereist und dabei eine Reihe wunderschöner Eindrücke gesammelt. Ich habe ganz besondere Länder mit anderen, spannenden Mentalitäten und sehr (gast-)freundlichen Menschen kennengelernt.
Aber was denken eigentlich all diese «Was, Russisch?!»-Ausrufer von Russland? Glauben sie, dass die Russen das ganze Jahr über mit Pelzmützen herumlaufen und ausschliesslich Wodka trinken? Denkt die Mehrheit wirklich so über Russland? Um auf den Punkt zu kommen: Was haben wir für ein Bild von Russland? Und was denken eigentlich Russinnen und Russen über ihr Heimatland?
Das interessiert mich und darüber schreibe ich meine Maturarbeit.
Bei meinen Recherchen brauchte ich natürlich Hilfe, z. B. auf der Suche nach russischen Interviewpartnerinnen und -partnern. Zuerst dachte ich, da meldet sich sicher niemand. Doch weit gefehlt! Es regnete nur so E-Mails mit Rückmeldungen, Tipps und Ratschlägen. Das hat mich sehr gefreut und mich darin bestärkt, so weiterzumachen.
Von Gianna Jakobi
Auf diese Weise habe ich Interviewpartner gefunden, Russinnen und Russen, die in der Schweiz leben. Ich befragte Sie zur Lage Russlands, zur Beziehung zu Westeuropa und noch einigen weiteren Themen.
Alle fanden, ein besserer Dialog zwischen Westeuropa und Russland wäre für beide Seiten förderlich. Bei den Zukunftsaussichten jedoch waren sie geteilter Meinung: Die einen sahen ziemlich schwarz (vor allem nach dem Kaukasuskonflikt), andere wiederum sahen die Zukunft Russlands positiv.
Diese Meinungsvielfalt finde ich sehr interessant und auch die Hintergründe dazu sind spannend. Nun setzte ich diese einzelnen Mosaiksteinchen zusammen, um mir ein möglichst genaues Bild zu machen.
Um auch auf der «anderen Seite», also bei uns, etwas zu forschen, habe ich eine kleine Umfrage gestartet. Unter anderem mit der Frage, was man mit Russland verbindet. Die meisten der Befragten denken an Kälte, Wodka, Armut, vielleicht auch noch die «Babuschka», die kyrillische Schrift.
Es hat mich etwas enttäuscht, dass diese Klischee-Bilder noch immer in vielen Köpfen sitzen, denn Russland hat mehr zu bieten. Da meine Umfrage-Aktion noch nicht vorbei ist, liegen jedoch noch Veränderungen drin.
Noch kann ich die Situation nicht ganz korrekt darstellen, denn ich bin mitten in der Analyse der Interviews und Zeitungsartikel. Die Bilder müssen sich vervollständigen. Je nachdem, wen man was fragt, können die Selbst- und Fremdbilder stark variieren. Deshalb sind diese ersten Auswertungen mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen.
So, jetzt muss ich mich wieder an die Arbeit
machen, denn ich habe ja noch einiges vor mir!
Schreibst du eine Arbeit über Russland, beschäftigst dich in einem Projekt mit der GUS?
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