3xo.ch - зхо echo Zweisprachiges Magazin: Ausgabe 2008-03
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Ausgabe 2008-03
Selma Wicki (l.) übernimmt die Aufgaben von Tania Hörler auf der Geschäftsstelle der Stiftung in Luzern

Von Christine Bertschi

Tania Hörler geht, Selma Wicki kommt. Ein Gespräch über ihre Beziehung zu Ländern und Leuten im Osten, über ihre Erfahrungen dort und über die Arbeit auf der Geschäftsstelle der Stiftung Jugendaustausch.


Vier Jahre hat Tania Hörler auf der Geschäftsstelle in Luzern Teilnehmer und Partner betreut, beraten und sich im Hintergrund darum gekümmert, dass bei den Programmen alles rund läuft. Nun sucht sie nach neuen Horizonten, noch weiter im Osten: Im November fliegt Tania für zwei Jahre nach Indonesien.
Seit Anfangs September arbeitet nun Selma Wicki mit Luca Frölicher zusammen. Sie studiert in Fribourg Politologie, Ethnologie und Zeitgeschichte, mit Jugendaustausch Schweiz-GUS war sie schon auf einem ukrainischen Bauernhof, in Minsk und einen Sommer lang in Irkutsk.

Wie seid Ihr in Kontakt gekommen mit dem GUS-Raum und der Stiftung?


Selma:Während dem Studium suchte ich eine Beschäftigung für den Sommer. Ich wollte weder nur arbeiten, noch nur reisen. Ich besuchte damals ein Seminar zu Stalinismus, dort machten Flyer von Schweiz-GUS die Runde. Der Labour Service im Ukrainischen Nishnie Selishtse kam mir also gerade recht. Das war vor drei Jahren. Ein Sommer später fand ich, ich könnte ja wieder in den Osten fahren, und entschied mich für Minsk. Letztes Jahr war ich dann mit dem Programm «Sibirien entdecken» in Irkutsk. In der Ukraine habe ich damals mit Russisch bei Null angefangen, später besuchte ich in der Uni Russischkurse. Mein Interesse an der ehemaligen Sow­jetunion ist über die ereignisreiche Geschichte gekommen, später auch über die Menschen, über Kontakte, die geknüpft hatte. Meine Familie war auch Gastfamilie für eine russische Studentin.

Tania: Auch bei mir kam das Interesse über die Geschichte. Mich faszinierte zudem die kyrillische Schrift und die russische Sprache, die Türen öffnet zu einem riesigen geografischen Raum mit gemeinsamer Vergangenheit und doch verschiedensten Kulturen. Mit meiner Gastfamilie in Minsk habe ich immer noch Kontakt, so kann ich Veränderungen in Belarus auch von der Schweiz her miterleben. Wenn ich Fotos von meiner Gastmutter – welche etwa gleich alt ist wie ich – aus 1989 anschaue, erinnern sie mich irgendwie an Fotos, die ich aus der Jugendzeit meiner Mutter kenne. Heute sind wir uns schon sehr viel ähnlicher.

Selma: Russisch gibt mir auch Zugang zu anderen Sprachen, in Slowenien zum Beispiel habe ich viel verstanden.

    Tania: Die enorme Herzlichkeit und Gastfreundschaft spüre ich im Osten jedes Mal wieder. Sie geben einem sofort das Gefühl, willkommen zu sein!

Selma: Die Unterschiede zwischen Stadt und Land faszinieren mich. In der Ukraine – ich konnte damals noch kaum Russisch – sagten mir einmal Kollegen meines Gastbruders bei einem Picknick am Strassenrand weit weg von der Zivilisation: «Man merkt, dass du kein Stadtkind bist!» 

Tania: Nun zieht es mich weiter in den Südosten. Russland bleibt für mich aber ein wichtiger Teil, die Freunde dort, zudem waren diese Reisen meine ersten wichtigen Auslanderfahrungen. Zentralasien möchte ich unbedingt noch einmal bereisen und vielleicht mal den Kaukasus.

Selma: Auf die Krim würde ich gerne mal gehen. Und nach Georgien, wegen dem Essen.

Seit dem 1. September arbeitet Selma auf der Geschäftsstelle, zwei Wochen verbringt sie zusammen mit Tania, um sich einzuarbeiten. Nachher verlässt Tania nicht nur die Geschäftsstelle, sondern bald auch die Schweiz.


Tania: Im November fliege ich nach Indonesien. In einem internationalen Friedensförderungsprojekt werde ich mich mit Konfliktbearbeitung und Friedenspädagogik befassen – und vor Ort Indonesisch lernen. Verglichen mit dem Russischen eine einfache Sprache, ohne komplizierte Grammatik!

Selma: Ich verspreche mir von der Arbeit bei Jugendaustausch Schweiz-GUS Einblicke in die Kulturen, das Kennenlernen von verschiedensten Leuten. Ein Bürojob, eine Arbeit im administrativen Bereich wird für mich etwas Neues sein. Bisher habe ich im Pflegeheim, als Landschaftsgärtnerin, in Hotel und Schwimmbad und als Protokollführerin gearbeitet.

Tania:  Ich habe hier bei der Arbeit gelernt den Überblick zu behalten, Situationen einzuschätzen, Projekte zu koordinieren. Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern, mit ihren kulturell bedingten unterschiedlichen Herangehensweisen war immer eine Herausforderung. Man ist im Sandwich zwischen den Teilnehmern und den Partnerorganisationen, man muss den Wünschen und Erwartungen der Schweizer gerecht werden, und gleichzeitig den Möglichkeiten der Partner im Osten entsprechen. Am Anfang meiner Arbeitszeit hier habe ich mit meiner direkten Art unsere Partner wohl manchmal brüskiert. Die Vermittlung zwischen diesen beiden Seiten ist wichtig, aber auch die Vorbereitung unserer Geschäftsstelle auf die Zertifizierung mit einem Qualitätslabel, die Kommunikation mit Konsulaten, Stiftungsrat, dem Dachverband Intermundo und Medien bilden einen zentralen Teil unserer Arbeit. 

Selma: Ich finde es spannend, wie unterschiedliche Leute sich für dasselbe interessieren und einsetzen.

Tania: Die Rückmeldungen über ein und dasselbe Projekt sind dann jeweils auch sehr verschieden, nicht jeder sieht dasselbe gleich. Auf der Geschäftsstelle entstehen immer wieder neue Situationen, meist helfen Vermittlungsgeschick und Lösungsvorschläge, um für alle Beteiligten das Optimum herauszuholen.

Wir wünschen Tania eine spannende Zeit in Indonesien und Selma alles Gute bei ihrer neuen Arbeit auf der Geschäftsstelle.

Die neugegründete Arbeitsgruppe Ukraine lädt ein!

Als Auftakt der neuen Ukraine-Plattform in Basel organisiert der Freundes- und Förderkreis Osteuropa zusammen mit der Kulturinstitution Maison 44 im März 2009 eine umfangreiche Veranstaltungswoche zum Thema „Zugänge, Durchgänge, Übergänge“. Grundlage bildet eine fotografische Annäherung an die Westukraine, die von einem Musikprogramm und durch Vorträge ausgestaltet wird. Gedicht-Vertonungen (Ausländer, Celan, Kittner, Rosenkranz) des ukrainischen Komponisten Zoltan Almashi werden am 15. März 2009 als Abendveranstaltung im Rahmen der Ausstellung uraufgeführt.
Für Interessierte und Neumitglieder öffnet die AG Ukraine somit nicht nur ihre Tore, sondern lädt im Voraus dazu ein, am Projekt mitzuwirken und diese erste große Veranstaltung zu begleiten. (Anfragen: judith.schifferle@unibas.ch)

Das nach der EU-Osterweiterung in den westlichen Grenzregionen spürbare Zurückgedrängtwerden der Ukraine wird in dieser Ausstellung unübersehbar in den Blick gerückt. Obgleich zwischen der Schweiz und der Westukraine zahlreiche kulturell-historische wie auch geografisch-landschaftliche Beziehung (versteckt) liegen, ist diese europäische Region in der Schweiz erst wenig bekannt. Kein einzelnes Bild, sondern mehrfache Perspektiven – „Zugänge, Durchgänge und Übergänge“ – sollen auf diese in jeder Hinsicht reiche Gegend Europas geworfen und durch kulturhistorische Beiträge hinterfragt werden. Die Fotografien, welche nur festhalten und bildlich verwahren können, sollen Antworten auf die Fragen erhalten, aus denen sie hervorgegangen sind: Wie zeigt sich das Fremde dem Fremden? Wie ist an den Spuren der Gegenwart ihre Geschichte zu erfahren?
Die Grenze der Fremdwahrnehmung und der Aneignung ist im Ausstellungstitel vielfach thematisiert. Im Zentrum stehen 100 kleinformatige Gitter-Zäune-Bilder, die auf Augenhöhe den Raum linear umspannen. Die Rahmen sind konzipiert als Öffnung und Schließung: Der Betrachter kann selber die Bilder ab- und zudecken, den Eintritt wagen oder sich abwenden. Die Bilder entstanden während eines einjährigen Auslandaufenthalts 2006/07 in der Westukraine. Die konzeptuelle Verknüpfung entspricht der Perspektivenvielfalt, in der die Fremderfahrung immer auch mit Vertrautheit einhergeht. Nicht zuletzt deshalb stammen die Teilnehmer des Projekts sowohl aus der Ukraine als auch aus der Schweiz bzw. aus Deutschland.
Die Abbrüche kultureller Entwicklung vor allem des 20. Jahrhunderts stehen als lebendige und im Laufe der ukrainischen Geschichte hybrid gewordene, fragende Zeugnisse vor dem Betrachter: Häuser, Zäune, Gegenstände des öffentlichen Raums. Jeder Unterbruch ukrainischer Kulturgeschichte ist als Abbruch an den Oberflächen sichtbar verzeichnet. Nicht aber der Abbruch selbst, sondern dass und wo er verzeichnet ist, kann jenen zu einem historischen Erlebnis der Gegenwart werden, denen sich diese Erfahrungen in der Vergangenheit nicht selbst in den Leib geschrieben haben.
Die verborgenen, zuweilen verletzten Schönheiten wirken aufdringlich, seltsam vertraut an Oberflächen, die dem Auge zuerst fremd sind; Momente einer Beiläufigkeit und wie nur zufällig in den Blick gefallene Kleinigkeiten; als auch nach langer Suche gefundene Details unerwarteter Sorgfalt. Unerwartet deshalb, weil die Umstände der Zeit oft stärker wirken als die Gegenstände, um die sie kreisen. Sorgfalt mag dem Zufall widerlaufen, in diesem Fall aber haben Zufälligkeiten feinste Abstufungen geschaffen und undenkbare Gegensätze kombiniert.

Vielleicht lässt sich so ein Bild der Ukraine aus kleinen, scheinbar zusammenhangslosen Formen, Sprachen und Tönen herauslesen. Es ist ein Land, in dem einem trotz, aber auch mit allen Umständlichkeiten des Alltags, Türen geöffnet, Gitter und Zäune aufgerissen werden, um von außen nach innen und vom Innern aus einem offenen Fenster in ein lebendiges Museum hinauszublicken.

Judith Schifferle

Die Stiftung Jugendaustausch Schweiz-GUS feiert nächstes Jahr ihr 20-Jahre-Jubiläum. Zu diesem Anlass soll auch die Vostotschnaja in neuem Kleid erscheinen
Konkret heisst das: Es werde weiterhin vier Ausgaben pro Jahr erscheinen, davon zwei gedruckt als Heft und zwei als eigenständige Online-Ausgaben. Somit erwartet dich ab Januar 2009 ein komplett neues Online-Magazin mit häufig aktualisierten Berichten, Fotos und auch Animationen und Videos. Im Frühling und Herbst findest du jeweils das gedruckte Magazin in deinem Briefkasten.
Selbstverständlich freuen wir uns immer über Eure Ideen und Anregungen, besonders zu folgendem Thema:

Wettbewerb: Die Vostotschnaja soll einen neuen Namen erhalten!
Spritzig, deutsch-russisch oder russisch-deutsch, oder vielleicht ein Lehnwort aus der einen in der anderen Sprache? Der Name des neuen Magazins soll vor allem auch den Aspekt mit einbeziehen, dass in Zukunft vermehrt auch russische Teilnehmer in die Schweiz kommen werden, der gegenseitige Austausch gefördert wird. Und so auch das Heft, weiterhin zweisprachig, mit Themen, die hier wie dort interessieren und bewegen.
Schreibt uns Eure Ideen, vielleicht sogar mit Erklärung / Begründung, und nehmt am Wettbewerb teil!
Die Gewinnerin/der Gewinner darf sehen, wie die Idee ab der nächsten Nummer Wirklichkeit wird und erhält ein kostenloses Vostotschnaja-Nachfolge-Abo auf Lebenszeit! und darf seine Idee ab der nächsten Nummer der „nicht-mehr-Vostotschnaja“ verwirklicht sehen.

Von Luca Frölicher

Im Juli und August führte die Stiftung Jugendaustausch Schweiz-GUS zum dritten Mal in Folge das Projekt «Labour Service Schweiz» durch. Die Schweiz mit einem einmonatigen Sprachkurs und einem ebenso langen Praktikum zu entdecken, dies war die Leitidee des Projekts. Mit Marina aus Kiev und Nikita aus Moskau folgten zwei Jugendliche aus der GUS diesem Aufruf.


Luzern, wo Marina und Nikita wohnten, zur Schule gingen und arbeiteten, war landschaftlich bereits eindrücklich. Doch an einem Sonntag in der Mitte ihres Aufenthalt organisierte die Stiftung zusammen mit Freiwilligen einen Ausflug dorthin, wo die Berge hoch, die Wände steil und die Bäche durch Schluchten toben: eine Fahrt ins Jungfraumassiv.
Mit einigermassen festem Schuhwerk, Proviant und Fotoapparat startete das Unternehmen in Grindelwald. Voller Zuversicht (Reiseleitung) und ohne Vorahnung, was sie erwartet (TeilnehmerInnen) wurde die Gletscherschlucht bei Grindelwald angesteuert. Ein eindrucksvoller Spaziergang in die Kraft der Natur sollte es werden. Foto hier und Foto da. Doch der fotografische Höhepunkt folgte erst noch. Nach einer Fahrt mit der Zahnradbahn auf die Kleine Scheidegg stand die kleine Reisegruppe vor der Eigernordwand und dem Jungfraupanorama.
Es sind immer wieder die gleichen Dinge, die Gäste in der Schweiz faszinieren. Die Gleichung Schweiz = Berge ist zwar ein verklärendes Klischee, doch wer die Schweiz verlässt, ohne die Berge gesehen zu haben, der hat auch etwas verpasst. In diesem Sinne verfolgt die Stiftung mit diesem Projekt zwei ergänzende Grundsätze. Auf der einen Seite möchte sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen tiefen und nachhaltigen Einblick in die Schweiz und ihre Menschen ermöglichen.     
Deshalb verfolgt sie gezielt die Zusammenarbeit mit lokalen Gastfamilien, lokalen Sprachschulen und einem Einsatz in einer lokalen Firma. Auf der anderen Seite darf es zuweilen auch ein bisschen touristisch sein.
Demzufolge war man an diesem sonnigen Nachmittag nicht alleine. «Wo sind all die Schweizer?» fragte Marina. Das Panorama auf der Kleinen Scheidegg war insofern eindrücklich, als dass Marina aus dem flachen Süden der Ukraine stammt und Nikita aus Moskau, wo zwar die Häuser immer höher, das Land aber flach bleibt.
Der touristische Ausflug sollte aber nicht nur auf der Schiene stattfinden. Auf dem Wanderweg wanderte («der Schweizer Nationalsport» – Nikita) die Gesellschaft nach Wengen, von wo aus die Rückreise über Lauterbrunnen – Bern angetreten wurde.

luf. Die Titel der Medien waren gross und fett und die Bilder sprachen ihre eigene Sprache. Die Analysten und Strategen, die Politiker und Präsidenten, die Wirtschaftsführer. Sie alle sprachen davon. Der Kalte Krieg ist zurück. Überall schaudern und zittern und die Erinnerungen an ein halbes Jahrhundert Funkstille.
Von den Auseinandersetzungen in den kaukasischen Regionen kann man denken was man will. Die Gründe dafür sind vielschichtig und liegen in der Geschichte zurück. Die Situation ist verzwickt und scheint ausweglos.
Die Stiftung Jugendaustausch Schweiz-GUS begann bereits während des Kalten Kriegs die Zusammenarbeit im Osten Europas zu suchen. Austauschprojekte sollten den Blick über den Tellerrand fördern. Begegnung statt Konfrontation, lautete das Motto.
Begegnung ist auch heute wichtig. Die Stiftung Jugendaustausch Schweiz-GUS ermöglicht solche Begegnungen, sowohl in Russland, Weissrussland, Ukraine und Krigisien als auch in der Schweiz. Es scheint, dass unsere Projekte in Zukunft (leider) immer wichtiger werden ...

Wie ist es, in einer neuen Familie zu leben, wie funktioniert das Zusammenleben?


Что такое семья? Это, прежде всего, отдельный островок своих ценностей, устоев, традиций, которые складывались и развивались годами, благодаря влиянию культуры и предшествующих поколений. Семья – уникальное и неповторимое явление, как отпечатки пальцев на руке человека. Поэтому для меня, поселиться в новой семье, значит приехать в «terra incognito», в новую, неизведанную страну, необозначенную на карте. А в новой стране люди наблюдают, разговаривают, спрашивают, запоминают, учатся и перенимают общепринятые правила. Мне кажется, что именно в этом и заключён основной секрет успешной адаптации в новой семье.

Welche Einblicke erhältst du in der Gastfamilie, welche du in einem Studentenheim oder in einem Hotel nicht erhalten hättest?


В гостинице, общежитии человек никогда не сможет так глубоко и по-настоящему ощутить культуру, язык и традиции, изнутри пережить страну, в которую приехал, ощутить динамику и реальность жизни здесь и сейчас.

Wie erlebst du die Gastfreundschaft, wie äussert sich das konkret?

 

Семьи, в которых мне посчастливилось жить в Люцерне, радушные и хлебосольные. Мне очень повезло, потому что у меня была возможность не только быть гостем. Но на какое-то время иметь честь стать частью жизни каждой семьи: радоваться и грустить, переживать и надеяться. Именно это, на мой взгляд, и является гостеприимством, не только кровать и завтрак, но и живое, искреннее общение, когда есть возможность рассказать о себе, узнать больше о семье, о жизни в этой стране.

Inwiefern profitierst du von der Gastfreundschaft? Erlebst du sie auch ausserhalb der Familie, bei Einladungen von Freunden vielleicht?  


Жить в семье это шаг в неизвестность и труд, но он вознаграждается сторицей радостью общения, обучения языку, новой культуре и, в конечном итоге, новыми друзьями. Не упускайте такой возможности адаптироваться и погрузиться в языковую реальность такой уникальной страны, она стоит того, чтобы пережить её изнутри.

Von Werner Bachmann

Die Idee, einen Gast aus Russland aufzunehmen, entstand aus der Anfrage von Luca Frölicher, den ich an einem Anlass des Russisch-Klubs in Meggen traf. Nach Rücksprache mit meiner Frau erklärten wir uns bereit dazu.


Nikitas tauchte am Samstag, 2. August im Schlepptau von Luca bei uns auf. Er ist ein ansehnlicher Mann von beinahe 21 Jahren, mit langen Haaren, meist zu einem Pferdeschwanz gebunden. Er studiert Politikwissenschaft in Moskau und scheint schon bald abzuschliessen. Ein halbes Jahr lebte er in Berlin, wo es ihm sehr gut gefallen habe. Das erklärt auch, weshalb er so gut Deutsch spricht, dass ihn die meisten Leute kurzweg als Deutschen einschätzten.    
Er arbeitete die ersten 14 Tage beim Luzerner Ferienpass, wo er fast jeden halben Tag zusammen mit den teilnehmenden Kindern eine neue Ecke von Stadt und Region Luzern besuchen konnte: Kirchturm von Malters, Kläranlage etc. Das behagte ihm sehr und er lernte so seinen Aufenthaltsort auf ganz spezielle Weise genauer kennen.
Der darauf folgende Arbeitsplatz war das AWB Rösslimatt, Luzern, ein Betrieb der Stiftung Brändi. Es werden dort Leute im Bereich Büro, Druck, Versand, Mailing etc. an geschützten Arbeitsplätzen beschäftigt. Nikitas trat die Stelle mit ziemlichen Vorbehalten an, konnte sich wenig darunter vorstellen. Doch bald begeisterten ihn die – seiner Ansicht nach – praktisch gar nicht behinderten Menschen. Nikitas installierte sich schnell in seinem Zimmer, erzählte von der Arbeit und von sich, ass mit uns, diskutierte über verschiedene Themen, bei denen wir uns allerdings nicht immer verstanden. Vor allem bei politischen Themen merkte ich, dass wir in ganz unterschiedlichen Lebens-, Medien- und Kulturbereichen zu Hause sind. Den Begriff «Demokratie» z. B. schien er sehr über die aktuelle Politik der USA und damit negativ zu definieren. Auch bei den Eskalationen in Georgien zeigte sich eine unterschiedliche Wahrnehmung.
Phantastisch erlebte ich den Wochenendausflug nach Genf. Schon als wir hinfuhren, nahm Nikitas wahr, dass bis Bern Schweizerdeutsch, dann gemischt und ab Lausanne praktisch nur noch Französisch gesprochen wurde, sich auch die Stimmung mit änderte. Es war für ihn ein unglaubliches Ereignis, dies auf so kurzer Distanz und in derselben Nation zu erleben. Vorher war sein Urteil über die Schweiz lediglich durch Luzern (eher negativ) geprägt; nun revidierte er es und bekam Lust, unser Land noch genauer kennen zu lernen. Weil seine Schuhe vom Jet d’eau völlig nass wurden, zog er sie aus und blieb den ganzen Tag barfuss – zum ersten Mal im Leben. Weitere Ausflüge: Open-air Heitere, Gotthard, Pilatus, Tessin; alle auch für uns interessant. Den «Vertrag» mit der Stiftung nahmen wir relativ ernst: Zimmer mit Bett, Frühstück und Nachtessen sowie Familienanschluss. Meine Frau bemühte sich: spezifische CH-Gerichte, nichts fixfertig Gekauftes, sondern so viel wie möglich aus dem Garten. Ausserdem fragte sie nach, ob zu waschen sei und erklärte auch andere Dinge des täglichen Lebens. Nach 14 Tagen etwa erwähnte sie den Duschwasserkonsum, weil an diesem Tag auch unser Sohn und seine Freundin hier schliefen. Das brachte dann für Nikitas das Fass zum Überlaufen, wie sich später herausstellte. Nebst einem Stück Heimweh, einem Stück Unwohlsein in der fremden Umgebung, einem Stück Unsicherheit unter uns «Fremden» und einem Schuss Furcht vor drohendem Militärdienst dort in Russland war es einfach zu viel, nun auch noch von der Gast-«Mutter» beim Duschen überprüft, beim Essen beobachtet und überall «kontrolliert» zu werden. Er schwieg, grüsste und ass nicht mehr, holte ungewaschene Wäsche zurück. Funkstille! Es sei nichts! Für uns aber unerträglich viel «nichts», ein sehr belastendes Wochenende. Ich wollte mich mit dieser Fassade nicht abfinden, glaubte an den Menschen dahinter.
Nach Rücksprachen mit Luca holte ich Nikitas am Montagmittag aus dem Betrieb und machte klar, dass Probleme bei uns beredet würden. 1 ½ Stunden redeten wir. Darauf folgte ein Gespräch mit meiner Frau, die eine Stinkwut auf den undankbaren Kerl hatte. Es brauchte viel Einsatz, aber schlussendlich näherten wir uns wieder an.
Nikitas lernte auch unsere Söhne, ja sogar unsere Enkelkinder kennen und schätzen. Beim Abschied umarmten wir uns, verabschiedeten uns herzlich und wünschten alles Gute. Es war anstrengend, aber interessant. Wir haben einen liebenswerten Menschen und andere Verhaltensweisen kennengelernt, einen jungen Mann auf der Suche nach seinem eigenen Weg. Wenn ihm sein Aufenthalt hier einige Orientierungshilfen lieferte, freuen wir uns. Er will zurückkommen, meinte er.
Dann werden wir uns hoffentlich wieder sehen.

Вам знакомо чувство ожидания гостя, когда наводишь порядок в доме, готовишь еду, думаешь, что показать гостю; когда от всей души хочется, чтобы гостю было удобно, уютно, вкусно, а главное – интересно?! Я люблю принимать гостей и у меня хороший опыт гостеприимства.
    Сначала, гость приносит приятный трепет ожидания, присутствует некоторое волнение, кто приедет в нашу семью, как быстро мы подружимся. Поэтому, замечательно, когда происходит заочный контакт. Письмо или звонок перед приездом легко снимают это беспокойство. Проходит какое то время, тает напряжение гостя и он плавно вливается в  семью. Я бы сказала, новый член семьи приятно будоражит нашу привычную атмосферу.  Осознаешь, что на тебя смотрят, что твои обычные, ежедневные хлопоты становятся объектом наблюдения любознательного гостя. Но мы тоже проявляем интерес к действиям гостя, так что это «наблюдение» взаимно. В этом случае, максимальное доверие, открытое дружелюбие помогают не чувствовать дискомфорта.Жизнь семьи меняется. Всем хочется показать себя гостю с наилучшей стороны, угодить, завоевать симпатию и доверие. Дома всегда мирная, веселая обстановка. Обеды и ужины  из простых приемов пищи превращаются в занимательные беседы о традициях, истории, воспитании, политике и о многом другом. Мы всегда подробно расспрашиваем гостя о его семье, учебе, работе, досуге. Таким образом, мы заочно знакомимся с родными, друзьями гостя, расширяем свои знания о его родном городе, стране. Я заметила, что самые душевные разговоры бывают на кухне. Все-таки правда, что домашний очаг притягивает и сближает людей, даже если вместо открытого огня в доме электроплита.
       Выходные дни семьи становятся более активными и интересными. Так здорово путешествовать вместе с гостем по знакомым местам и замечать, что воспринимаются они совершенно по-другому, так как видишь их глазами другого человека. Открываются замечательные подробности, чувствуешь, что гордишься ими и, наоборот,  обостряется чувство стыда за что-то, что обычно просто слегка не нравится. Приятно чувствовать себя хозяином, понимать, как легко ориентируешься и общаешься с людьми у себя в стране, приятно передавать чувство спокойствия и уверенности гостю.
     Очень важный момент для нас – интерес гостя. Обычно требуется определенное время, чтобы понять, что человек ждет от поезди к нам. Мы очень благодарны своим гостям, обычно они тактично и логично объясняют важные для себя направления исследования и нам довольно легко следовать их пожеланиям. У каждого гостя свои интересы и взгляды на вещи и даже, если мы показываем швейцарцам одни и те же места Беларуси, акценты впечатлений всегда разные. Просто удивительно, сколько сторон можно открыть в одном и том же. Испытываешь особенное удовольствие,  когда гостю нравится увиденное, когда слышишь слова благодарности.
      Признаюсь, что принимая гостей из Швейцарии, чувствую свою ответственность. Получается, что восприятие Беларуси у швейцарцев начинается через «призму» моей семьи. Хочется, чтобы уже с первых дней гости чувствовали, что попали в добрую, гостеприимную страну.
        Для меня гость – это всегда новая интересная личность, а значит свежий взгляд на жизнь моей страны, на мою собственную жизнь; это новая музыка, книги, фильмы, фотографии. Гостеприимство- это хорошая возможность самовыражения и одно из самых замечательных удовольствий в жизни.

«Wenn Belarussen Freunde einladen, so sind – zumindest habe ich es so erlebt – auch deren Freunde miteingeladen.»

Von Anita Fries

Während neun Wochen lebe ich hier in Minsk und erfahre dabei Gastfreundschaft in verschiedenen Facetten. Um diese zu beschreiben, schildere ich am besten den heutigen Tag und ergänze diesen Bericht dann mit weiteren Beispielen, von denen es unzählige gibt.


Bevor ich mich zur Russischlektion aufmachte, gab mir Ilona Äpfel mit auf den Weg. Und zwar nicht einfach einen oder zwei, sondern eine ganze Menge! Kaum bei meiner Russischlehrerin Inna angekommen, erkundigte sich diese nach meinem Tagesprogramm. Das war ungewöhnlich, denn normalerweise will sie wissen, was ich am Vortag unternommen habe. Bald erkannte ich die Ursache des Interesses: Inna hatte eine Einladung ihrer Freundin Tanja erhalten. Tanja weilt momentan nicht in Minsk, sondern in ihrer Datscha. Dies hat einen guten Grund, oder besser gesagt acht gute Gründe: Tanjas Labrador hat Nachwuchs gekriegt, der nun auf dem Land gross und stark werden soll. Und wenn Belarussen Freunde einladen, so sind – zumindest habe ich es so erlebt – auch deren Freunde miteingeladen.

Inna und ich machten uns also auf den Weg nach «Marina Gurka», der Stadt, an deren Rand die Datscha gelegen ist. Tanja holte uns bei der Busstation ab und fuhr nicht auf direktem Weg zur Datscha, sondern führte uns in der Gegend herum, zeigte Kirchen, Kriegsdenkmäler und fuhr extra einen Umweg, um mir eine speziell alte Allee zeigen zu können.
Bei der Datscha wurden wir freudig empfangen von all den Hunden, und insbesondere auch von den Kindern und einer Freundin Tanjas, die für ein paar Tage bei ihr zu Gast ist. Selbstverständlich wurde ich überall herumgeführt, jeder Wunsch wurde mir erfüllt und beim gemeinsamen Gemüseschneiden und Kochen erfuhr ich mehr über die uralte Freundschaft zwischen der Gastgeberin und meiner Russischlehrerin. Spannend … Abends ging es dann zurück nach Minsk und ich musste der besorgten Inna versprechen, dass ich sie anrufe, sobald ich wohlbehalten bei meinen Gastgebern angekommen bin.
Meine Gastgeber – ein gutes, oder das wichtigste Stichwort. Denn bei ihnen erlebe ich tagtäglich Gastfreundschaft und dann auch in speziellen Situationen. Denn sind Ilona, Andrei und Lisa irgendwo zu Gast, bin ich automatisch auch miteingeladen. Dies v. a.  bei den Eltern Ilonas, mit denen ich bis jetzt praktisch jedes Wochenende mindestens einen Tag auf der Datscha verbracht habe. Und auch da werde ich jeweils verwöhnt, es wird mir alles voller Stolz gezeigt, fein gekocht und, und, und. Diese Offenheit führte auch dazu, dass ich Ilonas Mutter Anna bat mir zu zeigen, wie sie ihren «Wein» herstellt. So verbrachten wir Stunden im Wald beim Himbeerenpflücken und zuhause beim Fertigstellen des «Weines». Dabei erzählte mir Anna sehr viel von ihrem Leben und beantwortete meine Fragen zur Geschichte, wie sie sie persönlich erlebt hat. Die Unkompliziertheit der Gastfreundschaft macht solche Gespräche problemlos möglich.
Gastfreundschaft: Dank Ilona und Inna erfahre ich sie auf die vielfältigsten Arten. Sobald ich als Gast vorgestellt werde, entstehen Gespräche und Kontakte. Im Unterschied zur Schweizer Gastfreundschaft erlebe ich die Begegnungen als unkomplizierter und einfacher, weil weniger Floskeln verwendet werden. Die fehlenden Konventionen «meiner Kultur» wirken auf mich logischerweise ungewohnt. So ist es manchmal schwierig, nach gemeinsamen Stunden, Saunabesuchen und persönlichen Gesprächen einfach zu verschwinden, ohne sich richtig – wiederum nach meinem Verständnis – zu verabschieden. Meiner Meinung nach besteht abgesehen von diesen Ritualen kein grosser Unterschied im Verständnis und Leben der Gastfreundschaft der beiden Kulturen. Dass ich stets mit dieser Offenheit empfangen werde, erlaubt mir einen grossen Einblick in den Alltag und das Leben der Leute hier und wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Im Osten viel Neues


cbi. Die osteuropäische Gastfreundschaft ist sprichwörtlich. Dies ist wohl eine der grundlegendsten Voraussetzungen für das Gelingen von Austauschprojekten. Doch weshalb schätzen wir gerade an den osteuropäischen Ländern die Gastfreundlichkeit besonders? Ist es die Warmherzigkeit trotz kalten Wintern? Oder vielleicht die mit der Kälte einhergehende Gewohnheit, näher aneinander zu rücken? Dass man dem Gast alles auftischt, auch wenn man nachher bis zum Monatsende selbst nichts mehr zu beissen hat?

Wie könnte man Gastfreundschaft einfacher am eigenen Leib erfahren, als bei einem Aufenthalt in einer Gastfamilie. Auch wenn man bei einem längeren Aufenthalt nicht Gast bleibt, sondern ein neues Familienmitglied wird – die Freundschaft und Freundlichkeit bleibt hoffentlich. Hautnah kann man alltägliche Abläufe, welche für Ausländer oft doch nicht ganz alltäglich sind, miterleben. Die EM 08 zeigte dieses Jahr wieder einmal, dass Sport verbindend wirkt. Das wussten auch die Gründer der Stiftung Jugendaustausch Schweiz-GUS, als sie ihr erstes Projekt organisierten: einen Fussballjuniorenaustausch zwischen Kriens und der ukrainischen Stadt Krementschug. Seither sind 20 Jahre vergangen. Vieles hat sich in dieser Zeit verändert, aus der Sowjetunion sind 15 eigene Staaten geworden und auch das Angebot der Stiftung Jugendaustausch Schweiz-GUS – ein Jahr nach dem Fussballaustausch gegründet – hat sich laufend vergrössert. Begonnen mit Sport- und Theaterprojekten, wurde schon Anfang der 90er Jahre der Schwerpunkt langsam auf Sprachkurse, Labour Service und Familienaufenthalte verlagert. Von den Metropolen wurde weiter in den Osten nach Sibirien vorgedrungen, später in den Süden nach Bischkek. Wer weiss, welche Destinationen in Zukunft noch dazukommen werden. Nächstes Jahr wird es mit dem 20-Jahre-Jubiläum der Stiftung einen guten Grund geben, auf Erreichtes zurückzuschauen, aber auch Strukturen zu überdenken und zu erneuern. So wird auch die Vostotschnaja – seit 1995 das Druckorgan der Stiftung – im Jubiläumsjahr komplett erneuert werden. Im heutigen Internet-Zeitalter halten es Stiftung und Redaktion für sinnvoll, das Heft vermehrt durch Online-Ausgaben zu ergänzen und zu ersetzen. Interaktiv und häufiger aktualisiert wird die neue Vostotschnaja ab 2009 im Netz daherkommen. Zweimal im Jahr statt wie bisher vierteljährlich wird es eine gedruckte Ausgabe geben, ebenfalls in neuem Kleid und unter neuem Namen (siehe Wettbewerb auf Seite 10).

Somit wünschen wir dir viel Vergnügen mit der letzten «Vostotschnaja»!


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