Ausstellung „Tolstoi 1828-1910″ im Museum Strauhof in Zürich

„Tolstoi 1828-1910″ heisst die Ausstellung im Museum Strauhof in Zürich kurz und bündig. Dabei ist es die einzige umfassende Tolstoi-Ausstellung ausserhalb Russlands zum 100. Todesjahr des monumentalen Schriftstellers, dessen Hauptwerke „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ zu den Klassikern der Weltliteratur gehören.
Tolstoi-Ausstellung 2010, Thomas Grob im Strauhof Zürich 7

Der 82-jährige Tolstoi war eine moralische Instanz, ein Weltgewissen, erklärt Thomas Grob, Kurator der Ausstellung „Tolstoi 1828-1910″ im Museum Strauhof in Zürich.

(Foto: Jürg Vollmer / maiak.info)

Lew Tolstoi war eine moralische Instanz, ein Weltgewissen

Als Lew Tolstoi am 20. November 1910 starb, meldete die „New York Times“ nicht nur den Tod des prominentesten Schriftstellers jener Zeit, sondern das Ende einer Epoche. „Tolstoi war eine moralische Instanz, ein Weltgewissen“, erklärt Thomas Grob, der die Ausstellung „Tolstoi 1828-1910″ im Museum Strauhof in Zürich kuratierte.

Obwohl sich Tolstoi als Pazifist, Kirchenkritiker und Anarchist mit allen staatlichen Institutionen anlegte, konnte es sich nicht einmal der Zar erlauben, den Autor verhaften zu lassen. Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann formulierte später sogar, der Erste Weltkrieg hätte es nicht gewagt auszubrechen, wenn Tolstoi noch gelebt hätte.

Lew Tolstoi hatte mit seinem Hauptwerk von 1852 bis 1877 Literaturgeschichte geschrieben. Nach einer autobiografischen Trilogie (Kindheit, 1852; Knabenjahre, 1854; Jünglingsjahre, 1857) und seinen ebenso autobiografisch gefärbten „Sewastopoler Erzählungen“ aus dem bestialischen Krim-Krieg (1855/56) folgten seine zwei bekanntesten Romane.

Tolstois Hauptwerke: „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“

In „Krieg und Frieden“ (1864-69) entwarf Lew Tolstoi ein Panoramabild von Russland in der Zeit der napoleonischen Kriege. Er beschrieb die Schlachten bei Austerlitz und Borodino sowie den Brand Moskaus im Jahr 1812 aus der Perspektive einzelner russischer Adliger.

In „Anna Karenina“ (1875-77) erzählte er von der Liebe einer verheirateten Frau zu einem Offizier, die an ihrem Lebensentwurf und der Starrheit der Gesellschaft zerbricht. Es ist der künstlerisch vollkommenste Tolstoi-Roman und das darin formulierte Anna-Karenina-Prinzip gilt bis heute: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“

Die beiden Romane gehören zu den bedeutendsten Werke der Weltliteratur. Trotzdem zog sich Tolstoi von der Literatur zurück und schrieb nach 1879 weltanschauliche Pamphlete, die teilweise in Genf gedruckt werden mussten, weil sie in Russland verboten waren. Am meisten Aufsehen erregte die Erzählung „Die Kreutzersonate“ (1889), die sich gegen die Sexualität wendet und die Institution der Ehe angreift.

Schweizerisch-russische Kooperation für „Tolstoi 1828-1910″

„Tolstoi 1828-1910″ bietet mit exklusiven Bildern, Original-Exponaten und spannenden Texten Einblick in den Mythos Lew Tolstoi. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit zwischen dem staatlichen L.N. Tolstoj-Museum in Moskau und dem Museum Strauhof in Zürich. Kurator Thomas Grob und Szenograf Daniel Simmen erklärten dankbar, dass die russischen Stellen „unglaublich hilfreich und flexibel“ auf die Wünsche des Zürcher Museums eingegangen sind.

Umgekehrt betonte der Moskauer Museumsdirektor Vitali Remizow, dass „Tolstoi 1828-1910″ „die einzige umfassende Tolstoi-Ausstellung ausserhalb Russlands zum 100. Todesjahr des Schriftstellers“ sei. Zuerst erschien es ihm vermessen, eine solche monumentale literarische Grösse in einem – insbesondere für russische Verhältnisse – kleinen Haus in der Zürcher Altstadt zu präsentieren. Beim ersten Rundgang durch „Tolstoi 1828-1910″ zeigte sich der Moskauer Museumsdirektor aber begeistert.

Tolstoi 1828-1910, Vitaly Remizov, Museum Strauhof Zürich 5

Vitali Remizow, Direktor des Moskauer L.N. Tolstoj-Museum, in der Ausstellung „Tolstoi 1828-1910″ im Museum Strauhof in Zürich.

(Foto: Jürg Vollmer / maiak.info)

„Tolstoi 1828-1910″ – Ausstellung im Museum Strauhof

Die Ausstellung „Tolstoi 1828-1910″ bietet vertiefte Einblicke in das Leben, Werk und Denken von Lew Tolstoi. In sieben Räumen spannt sich der biographische Bogen von seiner Jugend auf dem Landgut Jasnaja Poljana über seine Kriegserfahrungen auf der Krim bis zu den beiden grossen Romanen, die Tolstoi weltberühmt machten: „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“. Nicht zu vergessen die Verfilmungen dieser Romane.

Die Ausstellung bietet aber auch einen Einblick in das Denken und Wirken des späten Tolstoi, in seine religiösen Vorstellungen und seinen pazifistischen Anarchismus. Sie zeigt das nicht immer einfache Leben seiner Frau Sofja Andrejewna, mit der er 13 Kinder hatte, und zeigt Tolstoi von seiner sportlichen Seite. Es gehört zu den Stärken von „Tolstoi 1828-1910″, dass die Ausstellung auch illustriert, wie Tolstoi schon zu Lebzeiten ein Objekt von Kunst und Medien wurde, was mit ein Grund war für die bestürzte Schlagzeile der „New York Times“, als Lew Tolstoi am 20. November 1910 starb

Info: „Tolstoi 1828-1910″ im Museum Strauhof in Zürich

Museum Strauhof, Zürich
Augustinergasse 9
8001 Zürich

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 12-18 Uhr, Samstag und Sonntag: 10-18 Uhr
Montag geschlossen

Eintritt:

CHF 10.- / CHF 8.- (ermässigt)

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